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Zur Ausgestaltung des Umgangs bei sehr jungen Kindern

(OLG Brandenburg, Beschl. v. 08.08.2001 - 9 UF 28/01)

Leitsätze der Redaktion:
1. Das Umgangsrecht soll der dauerhaften Entfremdung des Kindes gegenüber einem Elternteil vorbeugen; der Umgangsberechtigte soll dem Kind unbefangen entgegentreten können. Daher kann der Umgang grundsätzlich ohne den anderen Elternteil oder Dritte stattfinden und nicht nur an einem "neutralen Ort".
2. Das Umgangsrecht kann nicht wegen der unsubstantiierten Äußerung des sexuellen Missbrauchs ausgeschlossen werden.


Während der Anhängigkeit des Ehescheidungsverfahrens stritten sich die Parteien um das Umgangsrecht des Antragsstellers (Ast.) mit der gemeinsamen Tochter, die am 26.03.1999 geboren wurde. Die elterliche Sorge steht den Eltern gemeinsam zu.

Nachdem dem Ast. das begehrte Umgangsrecht zugestanden worden war, hat die Antragsgegnerin (Ag.) Beschwerde nach § 621 e ZPO gegen diese Entscheidung eingelegt. Das Rechtsmittel blieb jedoch ohne Erfolg.

Der Ast. habe einen Anspruch aus § 1684 I BGB auf einen geregelten Umgang mit seiner Tochter - so das OLG in der vorliegenden Entscheidung. Der Umgang solle grundsätzlich so ausgestaltet werden, dass er dem Wohle des Kindes entspricht. Dafür seien bei einem jungen Kind einige Stunden vor oder nach dem Mittagsschlaf empfehlenswert. Wenn es dem Umgangsberechtigten möglich ist das Kind alleine zu versorgen, könne er das Kind auch längere Zeit sehen. Bei bis zu vier Jahre alten Kindern seien Zeiträume von bis zu vier Stunden ausreichend. Altersangemessen sei ein Umgangsrecht an jedem Mittwoch sowie an jedem zweiten Samstag.
Der Forderung der Ag., dass der Umgang nur in Begleitung stattzufinden hat, könne nicht beigepflichtet werden. Der Umgangsberechtigte habe ein Recht sein Kind alleine zu sehen und zu sprechen. Dabei solle er dem Kind natürlich und unbefangen entgegentreten können, ohne Beisein des anderen Elternteils oder dritter Personen.
Eine Einschränkung des Umgangs komme lediglich dann in Betracht, wenn nur so das Wohl des Kindes gewahrt werden kann. Eine Gefährdung des Kindswohls sei hier aber nicht zu erkennen.
Die Anschuldigung der Ag., der Ast. habe das Kind missbraucht, sei haltlos und durch keine Tatsachen untermauert. Insbesondere habe die Ag. bei der Polizei keine Anzeige gegen den Vater des Kindes erstattet.
Zwar könne eine gesundheitliche Beeinträchtigung des Kindes zur Einschränkung des Umgangs führen, wenn sich die Beeinträchtigung auf den Umgang zurückführen lässt. Nach den Behauptungen der Ag. fühle sich die Tochter nach den Besuchen des Ast. nicht wohl und könne nicht gut schlafen. Dies sei vorliegend jedoch eher auf die ständigen Streitigkeiten der Parteien beim Abholen und Zurückbringen der Tochter zurückzuführen, als auf den Umgang mit dem Ast..


Quelle: FamRZ 2002, 414 – 415
[§ 1684 I BGB]



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